Zum Abschied von Zlatko Bocokić: Maler, Spieler, Lebenskünstler, Handke-Weggefährte – und einer meiner liebsten Freunde

Zum Abschied von Zlatko Bocokić: Maler, Spieler, Lebenskünstler, Handke-Weggefährte – und einer meiner liebsten Freunde

Ohne Zlatko Bocokić wären viele Bücher Peter Handkes anders geschrieben worden – insbesondere jene, die Handkes „Jugoslawienwerk“ zugerechnet werden. Ich hätte ohne ihn auf eine wertvolle Freundschaft im Leben verzichten müssen. Der Lebenskünstler, Freund und Reisegefährte ist am 19. August 2026 im Alter von 73 Jahren überraschend gestorben.

Zlatko Bocokić während einer Rast auf dem Weg nach Foča am 31. Mai 1998.
Zlatko Bocokić während einer Rast auf dem Weg nach Foča am 31. Mai 1998.

In Peter Handkes Berichten über seine vielen Aufenthalte im ehemaligen Jugoslawien und in Serbien ab Mitte der 1990er-Jahre taucht Zlatko Bocokić wie auch der zweite, häufig mitgereiste Serbe, Handkes Übersetzer ins Serbische, Žarko Radaković, sehr häufig auf. In Erzählungen wie “Die morawische Nacht” (Suhrkamp 2008) ist Bocokić die zentrale Figur einer Zusammenkunft von Freunden auf einem Hausboot, das am Ufer der Velika Morawa unweit Bocokićs Heimatdorf Porodin vor Anker liegt. Doch er war mehr als nur eine literarische Erscheinung: Bocokić organisierte gemeinsame Reisen und traf Verabredungen mit Dichtern und anderen Kulturschaffenden, und sehr häufig chauffierte er die kleine oder große Reisegruppe mit seinem roten Peugeot quer durchs Land. Im April 2011 präsentierte er uns in Porodin stolz die von ihm organisierte Herausgabe der von Jan Krasni gelieferten Übersetzung des Handke-Buches „Die Kuckucke von Velika Hoča“.

Zlatko Bocokić in Porodin im April 2011 bei der Vorstellung der von ihm organisierten und von Jan Krasni vorgenommenen serbischen Übersetzung des Handke-Buches „Die Kuckucke von Velika Hoča“.
Zlatko Bocokić in Porodin im April 2011 bei der Vorstellung der von ihm organisierten und von Jan Krasni vorgenommenen serbischen Übersetzung des Handke-Buches „Die Kuckucke von Velika Hoča“.

Die enge Verbindung zwischen Handke und Bocokić führte auch zu vielen Treffen im familiären Kreis mit Handkes Ehefrau Sophie Semin-Handke. So waren die drei im November 1995 gemeinsam mit Radaković bei der „Winterlichen Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina“ unterwegs. Zuletzt trafen sich Peter und Sophie Handke und Bocokić im Mai 2021 in Belgrad, von wo aus sie die Umgebung bereisten, nachdem der österreichische Dichter in Banja Luka mit dem „Orden der bosnischen Serbenrepublik“, in Višegrad mit dem „Ivo-Andrić-Preis“ und in Belgrad mit dem „Karadjordje-Stern“ ausgezeichnet worden war. Eine liebevolle Beziehung entwickelte Zlatko Bocokić auch zu Léocadie, der Tochter der beiden. Ein keck gezeichnetes Bocokić-Porträt der damals Zwölfjährigen ziert das Cover von Handkes Theaterstück „Untertagblues“ (Suhrkamp 2003). Vater, Tochter und Freund machten sich früher häufig im Sommer zu dritt auf den Weg, um Handkes österreichische Heimat zu bereisen.

Zlatko Bocokić im Oktober 2003 in Šabac mit dem Handke-Buch „Untertagblues“, dessen Coverbild von Peter Handkes Tochter Léocadie gezeichnet wurde.
Zlatko Bocokić im Oktober 2003 in Šabac mit dem Handke-Buch „Untertagblues“, dessen Coverbild von Peter Handkes Tochter Léocadie gezeichnet wurde.

Auch für mich war Zlatko Bocokić ein sehr wichtiger und für all Belange des Lebens immer ansprechbarer und zur Seite stehender Freund, den ich in den vergangenen 30 Jahren unzählige Male in Salzburg, Porodin, Belgrad und anderswo allein oder während gemeinsamer Begegnungen mit Peter Handke getroffen habe. Im März 1996 sahen wir uns zum ersten Mal nach Handkes Lesung aus „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ (Suhrkamp 1996) auf der Leipziger Buchmesse. Nach medialen Angriffen gegen seinen “Friedenstext” hatte Handke sich entschlossen, an fast zwanzig unterschiedlichen Orten in West- und Osteuropa daraus vorzulesen.

Der Freundschaftsfunke zwischen Bocokić und mir zündete in Leipzig sofort; sein Humor und seine unnachahmliche Art, jugoslawische Witze zu erzählen, brachten mich bis zuletzt immer wieder zum Tränenlachen. Seine uneitle Offenheit, seine unkomplizierte Ehrlichkeit und sein respektvolles Zuhören zogen mich an. Der Umgang zwischen ihm und Peter Handke ließ mich damals sofort erkennen, dass sich Freunde begegneten, die auf Augenhöhe miteinander ulken, sich austauschen, streiten und schweigen konnten.

Leipzig war der Beginn einer über die Jahre wachsenden und sich vertiefenden Freundschaft, begleitet auch von vielen Familienurlauben bei ihm in Salzburg. Dort bekam meine noch kein Jahr alte Tochter Lucie ihr erstes von Zlatko zubereitetes und gegrilltes Ćevapčići in die kleine Hand gedrückt, an dem sie genüsslich kaute. Hinzu kamen viele Verabredungen in der Balkanregion, einschließlich einer intensiven Jugoslawien-Durchquerung mit Handke während des NATO-Krieges 1999.

Peter Handke und Zlatko Bocokić am 17. Oktober 2004 in Budva.
Peter Handke und Zlatko Bocokić am 17. Oktober 2004 in Budva.

In seinem Heimatdorf Porodin habe ich den guten Freund zuletzt ohne Begleitung im Juli 2019 und im August 2021 besucht – und, erst vor wenigen Wochen, am 3. Juli 2026. Nicht nur ihn wollte ich nach fünf Jahren auf Telefonate reduzierten Kontakts endlich wiedersehen und in die Arme nehmen, sondern auch seine Mama, die wir während unserer Reisen häufig besucht und von der wir uns immer gern hatten bewirten lassen. Erst im Frühjahr 2026 war die mittlerweile 99- und sehr bald 100-Jährige an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, und ihr Leben hing am seidenen Faden. Mein Freund, dem ich immer wieder telefonisch gut zuzureden versuchte, hatte sich mit Beistand seiner Töchter fürsorglich um sie gekümmert. Bei unserem Treffen im Juli war sie wieder auf dem Weg der Besserung und, offenbar motiviert durch meinen Besuch, zeigte sie sich nachmittags bei einem kurzen, stolzen Spaziergang im Garten. Der Sohn wirkte erleichtert und zugleich erschöpft ob der Sorge um ihr Wohlergehen in den Wochen und Monaten zuvor. Er war seit dem letzten persönlichen Treffen fünf Jahre zuvor sichtlich gealtert und ruhiger geworden.

So war es, entgegen früherer Gewohnheiten, dieses Mal nicht er, den es bei meinem letzten Besuch in eines der Gasthäuser Porodins zog. Bei früheren Treffen hatte ich den Bus aus Belgrad kommend direkt auf Höhe der Dorfwirtschaften verlassen, um Zlatko dort anzutreffen. Jetzt holte er mich an der Bushaltestelle ab und fuhr nach Hause, und ich war es, der sich wünschte, ein Lokal aufzusuchen, um zur Begrüßung einen Pelinkovac zu trinken und alte Bekannte wiederzusehen. Aber ich ließ ihn gewähren, und wir taten sehr gut daran, denn so blieb uns viel Zeit, einen wunderschönen ungestörten Tag und langen Abend im Garten des Familienanwesens zu verbringen.

Wir tauschten uns über die Neuigkeiten im Familien-, Berufs- und sonstigen Leben aus und erinnerten uns gegenseitig an das eine oder andere gemeinsam mit Peter Handke Erlebte – zum Beispiel an eine lange Wanderung von Srebrenica nach Bajina Bašta im Juni 1997, bei der wir zwei den Anschluss zur Wandergruppe verloren. Ich, als einigermaßen trainierter und mit festem Schuhwerk ausgerüsteter Rugbyspieler bei Eintracht Frankfurt, nahm den zehn Jahre älteren, unfitten und trotz der Anstrengungen weiterhin Kette rauchenden Freund mit einfachen „Jugoschlappen“ ins Schlepptau. Wir erzählten einander, fielen zurück und kamen, ohne irgendwelchen Proviant bei uns zu haben, vom rechten Weg ab. Auf einer sattgrünen Wiese stärkten wir uns mit frisch gepflücktem Sauerampfer, bis wir plötzlich vor einem Überbleibsel des Bürgerkriegs in Bosnien und Herzegowina standen – einem Warnschild mit der Aufschrift „Pazi, Mine!“ (Achtung Minen!). Das flößte uns neue Lebensgeister ein. Wir machten uns auf den Rückweg und suchten den richtigen Abzweig und die Freunde, während wir darüber frotzelten, welcher Grabsteinspruch für uns im Falle einer Verunglückung angebracht gewesen wäre.

Peter Handke, Zlatko Bocokić und Žarko Radaković auf dem Friedhof des serbisch-orthodoxen Klosters Žiča bei Kraljevo (6. Oktober 1999).
Peter Handke, Zlatko Bocokić und Žarko Radaković auf dem Friedhof des serbisch-orthodoxen Klosters Žiča bei Kraljevo (6. Oktober 1999).

So saßen wir vor wenigen Wochen im Bocokić-Garten in Porodin und schwelgten nach dem ersten Austausch über die wichtigsten Lebensstationen der jüngeren Vergangenheit in Erinnerungen – uns gegenseitig erzählend oder schweigend jeder für sich. Zlatko berichtete vom Schicksal des roten Peugeots, der uns viele Jahre treue Dienste geleistet hatte und im Titel meines neuen Buches zu „Weltruhm“ gelangt war, für den aber am Ende nur die Verschrottung übrigblieb, nachdem der Versuch, die alte Karre in die Handke-Dauerausstellung im Stift in dessen Heimatdorf Griffen zu integrieren, gescheitert war. Dieses legendäre Auto besaß Bocokić bereits zu seinen Salzburger Zeiten. Einmal hatte ich ihm finanziell aus der Patsche geholfen und Werkstattkosten übernommen, nachdem er nach einem Wirtshausbesuch von der Straße abgekommen war und in einem Vorgarten landete, wo er ausgerechnet von einer aus dem Tara-Gebirge stammenden „Serbischen Fichte“ zum abrupten Stehen gebracht worden war.

Vor dem Gartentor des Bocokić-Hofes thronten derweil auf den Laternenpfählen der Landstraße wie die Jahre zuvor Storchenpaare, die in mächtigen Nestbauwerken ihren Nachwuchs großzogen. Während wir redeten, aßen, tranken und träumten, erhoben sich die Sprösslinge immer wieder in die Lüfte, um zu kurzen Gleitflügen über unseren Köpfen anzusetzen – dieses Luftspiel später am Abend abgelöst von flinken Fledermäusen, die in einem nicht mehr genutzten Schuppen des bäuerlichen Anwesens ihre Bleibe gefunden hatten. Zlatko zeigte mir auf seinem Mobiltelefon ein unscharfes Foto des Baums, der uns nachmittags Schatten spendete und in dem ein paar Wochen zuvor eine große Eule ihren Schlafplatz eingerichtet hatte, die sich von seiner Anwesenheit im Garten aber nicht hatte stören lassen und deren Umrisse tatsächlich auf dem Foto zu sehen waren.

Unverändert war, auch ohne Wirtshausbesuch, die große Gastfreundschaft des treuen Weggefährten: die Kühlschränke der Sommerküche mit Wein, Bier und Mineralwasser gefüllt, eine reiche Auswahl selbstgebrannter Schnäpse aus der Nachbarschaft, ein vor meiner frühen Ankunft in den Morgenstunden zubereiteter Salat, dazu mittags frischer Kaymak und ein Spanferkel, das Zlatko, übrigens ein vorzüglicher Koch, mit wenigen Handgriffen geschickt zu zerlegen wusste. Und wie in den Jahren zuvor hatte er mir das Zimmer im Haupthaus gerichtet, in dem auch Handke schon wiederholt genächtigt hatte.

Nun ist Zlatko nur wenige Wochen nach diesem Besuch plötzlich und unerwartet nicht mehr unter uns und mit mir. Aber die Erinnerung an ihn und die herzliche Verbundenheit mit seiner Familie und seiner Heimat sind unauslöschlich. Seine für mich so bedeutende Freundschaft, sein Menschsein und seine eigenen kulturellen Beiträge wie auch jene, die auf der Freundschaft mit Peter Handke beruhen, verdienen ein ehrwürdiges Andenken.

Žarko Radaković, Zlatko Bocokić und Peter Handke am 4. Juni 1997 im Garten des Klosters Rača bei Bajina Bašta.
Žarko Radaković, Zlatko Bocokić und Peter Handke am 4. Juni 1997 im Garten des Klosters Rača bei Bajina Bašta.

Ein bewegtes und bewegendes Leben

Zlatko Bocokić wurde am 27. Juli 1953 in Svilajnac, unweit seines Heimatdorfes Porodin, geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Porodin, wo er die Grundschule abschloss, und wechselte anschließend für ein Jahr auf das Gymnasium in Svilajnac. Sein Vater Dragomir war Landwirt in Porodin; Zlatkos Mutter Ljubinka stammt ebenfalls aus einer dort angesiedelten bäuerlichen Familie. Dragomir und Ljubinka Bocokić heirateten wenige Monate vor Zlatkos Geburt; er war ihr einziges gemeinsames Kind.

Mit fünfzehn Jahren verließ Zlatko sein Heimatdorf und ging nach Belgrad, wo er schon als Kind häufig seine Tante besucht hatte. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Nachdem er von Belgrad nach Salzburg übersiedelt war, wurde er 1973 von der Jugoslawischen Volksarmee zum 15-monatigen Militärdienst in der Hafenstadt Pula einberufen. Nach seiner Rückkehr nach Salzburg versuchte er sich in verschiedenen Berufen; am längsten arbeitete er in der traditionsreichen Wäscherei „Maler“. Einige Jahre war er auch in einem Reisebüro tätig – genau in dieser Zeit zog Peter Handke nach Salzburg, und die beiden lernten einander kennen.

Handke war Ende August 1979 aus dem Pariser Vorort Clamart nach Salzburg gezogen, wo er bis Ende der achtziger Jahre auf dem Mönchsberg lebte. Als er begann, die örtlichen Gasthäuser aufzusuchen, bemerkte Handke mehrmals Zlatko Bocokić beim Kartenspiel. Bald kamen sie ins Gespräch, gingen gemeinsam in Lokale, unternahmen Ausflüge in die Umgebung und wurden Freunde. Diese erste Bekanntschaft sowie die erneute Kontaktaufnahme anlässlich der geplanten Reise nach Jugoslawien im Jahr 1995 beschrieb Peter Handke in der Schrift “Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina” (Suhrkamp 1996).

Etwa sechs Jahre lang lebte Bocokić als eine Art Verwalter im Haus des österreichischen Dichters H. C. Artmann am Schwarzgrabenweg, unweit des Salzburger Flughafens, in der Nähe des Stadtteils Maxglan. Dort hatte sich Artmann 1974, zwei Jahre nach seinem Umzug aus Wien, mit seiner Frau Rosa und seiner Tochter Emily niedergelassen und dort auch einen Großteil seiner literarischen Werke verfasst. Ab 1997 verlegten die Artmanns aus gesundheitlichen Gründen ihren Hauptwohnsitz zurück nach Wien. Dank Bocokićs Freundschaft mit Handke, der seinerseits den Artmanns nahestand, bot sich Bocokić die Gelegenheit, in das kleine Bauernhaus mit angeschlossener Holzscheune einzuziehen und fortan das Anwesen zu betreuen.

Während seiner Salzburger Jahre begann Bocokić, in Anlehnung an den von ihm geschätzten flämischen Künstler Adriaen Brouwer (1605-1638), auch unter dem Künstlernamen Adrian Brauer zu malen. In dieser Schaffensphase, die bis über den Millenniumswechsel und Bocokićs Rückkehr nach Serbien anhielt, entstanden rund fünfzig Bilder, die das ländliche Leben in der serbischen Heimat thematisieren und an Augenblicke gemeinsamer Reisen durch das ehemalige Jugoslawien erinnern. Auf einem frühen Werk aus dem Jahr 1987 porträtierte er Peter Handke: Der Freund und Dichter steht im Freien, im Hintergrund zeichnet sich die Silhouette des Mönchsbergs ab. In Salzburg stellte Zlatko Bocokić im August 1996 und Dezember 1998 einen Teil seiner Arbeiten aus und verkaufte einen Großteil seiner Werke. Für die Einladungskarten zu den beiden Ausstellungen hatte Handke für den Freund formuliert: „Zlatko B. ist ein serbischer Maler. ‚Serbisch‘ heißt: Seine Bilder sind jäh, kommen aus dem Dunklen geschossen, tun aber gut statt weh.“

Als H. C. Artmann im Dezember 2000 starb, verlangte der Eigentümer die Rückgabe des bäuerlichen Anwesens unweit des Glanbachs, inmitten von Wiesen und Feldern mit Blick auf den Untersberg. Die Bemühungen von Dichtern und Kulturschaffenden – unter ihnen Peter Handke –, das Haus mit seiner reichen Bibliothek und dem Arbeitszimmer im Gedenken an H. C. Artmann zu bewahren, blieben erfolglos. So blieb Rosa Artmann nichts anderes übrig, als den Haushalt aufzulösen. Dabei half ihr Zlatko Bocokić, dem im Gegenzug erlaubt wurde, einen Teil der Möbel, Schränke und einen Schreibtisch in sein Elternhaus nach Serbien zu bringen. Im danach so getauften “Artmann-Zimmer” in Porodin hängen heute einige seiner verbliebenen Gemälde.

Nach dem Auszug aus dem Artmann-Haus mietete Bocokić in Salzburg ein kleines Zimmer in der Wäscherei, in der er früher gearbeitet hatte und in der er weiterhin gelegentlich mithalf. Einige Jahre später zog er in eine andere, kleinere Wohnung in Salzburg. Im Oktober 2020 verließ er schließlich auch diese und kehrte dauerhaft nach Porodin zurück. Sein Vater Dragomir lebte damals schon nicht mehr; er war 2002 gestorben. Seit seiner Rückkehr lebte Zlatko Bocokić mit seiner Mutter Ljubinka auf dem Familienanwesen.

Zlatko Bocokić hat zwei Töchter aus früheren Beziehungen. Die ältere Tochter Silvia wurde 1975 in Salzburg geboren. Nach der Trennung der Eltern lebte sie bei ihren Großeltern in Porodin und besuchte dort die Grundschule. Mit fünfzehn Jahren, 1990, zog sie nach Deutschland zu ihrer Mutter. Die jüngere Tochter Jerina wurde 1980 in Salzburg geboren und wuchs bei ihrer österreichischen Mutter auf. In den neunziger Jahren lernte Bocokić Aparecida Franco kennen, eine Brasilianerin mit Rufnamen Vanessa, die in Salzburg arbeitete. Sie heirateten im Jahr 2000. Zehn Jahre später kehrte seine Frau in ihre Heimat zurück, von wo aus sie ihren Mann mehrfach in Salzburg und Porodin besuchte.

Zlatko Bocokić erlitt am 18. August 2026 einen Schlaganfall und verstarb am frühen Morgen des nächsten Tages im Krankenhaus in Požarevac. Am 21. August wurde er in seinem Heimatort Porodin beigesetzt. Möge mein guter Freund in Frieden ruhen.

Zlatko Bocokić und Peter Handke am 19. Oktober 2005 am Ufer der Sava bei Kupinovo.
Zlatko Bocokić und Peter Handke am 19. Oktober 2005 am Ufer der Sava bei Kupinovo.

Zlatko Bocokić und Thomas Deichmann Ende der 1990er-Jahre in Porodin.
Zlatko Bocokić und Thomas Deichmann Ende der 1990er-Jahre in Porodin.

Fotos: Thomas Deichmann

Redaktioneller Hinweis

Der Text von Thomas Deichmann erschien ursprünglich auf Deutsch bei Deichmanns Zeit. Die serbische Übersetzung von Jan Krasni wurde erstmals im Magazin Oko des serbischen Rundfunks RTS veröffentlicht. Die Veröffentlichung bei Slovobrücke erfolgt mit Zustimmung des Autors und des RTS.

Deutsches Original →
Serbische Übersetzung bei RTS Oko →